Präsident Willi Thomsen zum Breitbandausbau

Lassen Sie mich gleich auf den Punkt kommen:

Die Qualität und Effizienz, mit der aktuell in Deutschland getrencht wird, ist alles andere als zufriedenstellend. Das große Projekt – der Ausbau des Giga-Netzes in Deutschland bis 2025 – ist nicht mehr realisierbar. Die Gründe dafür sind seit langem bekannt.
Der Leitungstiefbau wird durch unrealistische, zum Teil einseitige Projekt-Vorgaben der Politik, der zuständigen Behörden und der Breitbandversorger zunehmend vor immer größere Herausforderungen gestellt. Dringend benötigte Planungssicherheit ist kaum noch gegeben. Auf der anderen Seite agieren die Kommunen, Städte und Gemeinden ebenfalls im Stressmodus, spüren sie doch, dass ihnen mehr und mehr das notwendige Fachwissen für eine schnelle, fundierte und juristisch abgesicherte Auftragsvergabe fehlt.
Wir Leitungstiefbauer sind uns einig: Auch wenn Milliarden Euro aus Privatwirtschaft und staatlicher Förderung zu Verfügung stehen – unsere Branche ist nicht mehr gewillt, diese Rahmenbedingungen mittelfristig weiter zu akzeptieren. Wir werden keine Haftungsrisiken mehr eingehen, wenn wir vorher aufgefordert wurden, entgegen der Norm zu trenchen.
Denn Schadensersatzansprüche zwischen einer Kommune und einem Breitbandversorger werden in der Regel gern auf den Tiefbauer abgewälzt. Diese leidvolle Erfahrung haben bereits viele Unternehmen machen müssen. Unsere Umfrage aus dem vergangenen Jahr spiegelt das wider: Nur 64 Prozent der Mitgliedsfirmen arbeiten noch im Breitbandsektor, das sind 10 Prozent weniger als noch 2019. Sie setzen ihr gut ausgebildetes Personal und ihren modernen Gerätepark lieber in den Bereichen Gas, Wasser, Abwasser und Energie ein.
Vor diesem Hintergrund sind jetzt für mich die Kommunen, Städte und Gemeinden gefordert, ihre Entscheidungsprozesse zügig zu optimieren, das heißt zu vereinfachen, zu beschleunigen. Ansonsten wird der Ausbau des Giga-Netzes bis 2025 nicht zu schaffen sein.
Als ausführende Unternehmen haben wir von unserer Seite alles dafür getan, damit Deutschland dieses große Ziel erreichen kann. Wir lassen nicht nach und konzentrieren uns jetzt auf die Erstellung einer eigenen Norm, an der bereits viele Experten auch aus den Reihen der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau mitarbeiten und die vom Mitgliedsunternehmen Leonhard Weiss in Obmannschaft geführt wird. Der korrekte Name dieses Projekts lautet:
DIN-Norm zur Standardisierung von Trench, Fräs- und Pflugverfahren zur Legung von Leerrohrinfrastrukturen und Glasfaserkabeln für Telekommunikationsnetze
Da seit Jahren bereits im Telekommunikationsgesetz (TKG) untiefe Verlegearbeiten Erwähnung finden, wird es Zeit, hier eine qualitativ gute Grundlage in Form einer Norm zu schaffen. Sie würde allen beteiligten Projektpartner das Planen und Arbeiten erleichtern – und damit Zeit und Kosten sparen.
Wir werden uns dabei jedoch nicht dem politischen (Zeit-)Druck sowie den damit für uns einhergehenden Risiken beugen. Nur weil das TKG seit Jahren in diesem Bereich nicht auf geltenden Normen basiert, muss das passende Regelwerk dazu nicht über Nacht aus dem Boden gestampft werden. „Qualität vor Zeit“ – das ist hier unser Motto.
Abwägungen verschiedener Meinungen, Einbeziehen von Forschungsergebnissen, Beauftragen von Gutachten und Einbringen von Erfahrungen – das alles braucht Zeit, zumal hier 30 Experten am Werk sind.
Wir vertrauen auf das Know-how und das Fingerspitzengefühl dieser Experten am „digitalen runden Tisch“; sie werden eine DIN-Norm verfassen, die es Kommunen, Versorgern, aber auch uns Leitungstiefbauern ermöglichen wird, eine qualitativ hochwertige, normengerechte und juristisch abgesicherte Leitungslegung im Bereich Breitband auszuführen. Nur so kann Partnerschaft auf „Augenhöhe“ gelingen, nur so vollenden wir gemeinsam das Giga-Netz – termingerecht.
Wir Tiefbauer sind innovativ und offen für Neues, sofern unsere Straßen als Gemeingut geschützt und unterirdische Fremdleitungen nicht überbaut und Neuerungen unseren Qualitätsansprüchen gerecht werden.

Ihr
Willi Thomsen
Präsident
Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e. V.

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